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Anspruchsvoll und kreativ – Fabian Willmann spielt Komposition von Jonas Pitz

Es ist ein besonderer Moment im Probenraum der Städtischen Musikschule. Zum ersten Mal erklingt öffentlich und vor Publikum das Stück „4 Folk Songs for Tenor Saxophone“ von Jonas Pitz, der bei Vasiliki Kourti-Papamoustou Unterricht in Fach „Komposition“ hat. Der Saxophonist Fabian Willmann spielte das Stück in einer „offenen Probe“, bei der die Zuhörenden erleben konnten, wie der Prozess der Arbeit an einer neuen Komposition vor sich geht. Zunächst spielte Fabian Willmann, der sich sonst auf Jazz spezialisiert hat, die vier Lieder, so wie er die Notation für sich interpretierte. Schnell ist klar, dass bereits im Vorfeld viel an dem Stück gefeilt worden und zahlreiche Überlegungen eingeflossen waren – ein roter Faden zog sich durch das gesamte Spiel. „Es sind vier Sätze, wobei die letzten drei Variationen des ersten sind“, sagt Jonas Pitz dazu. Auf die Idee, das Volkslied im Allgemeinen als Grundlage seiner modernen Interpretation zu verwenden, sei er bei einem Online-Meeting mit seiner Lehrerin Vasiliki Kourti-Papamoustou, Fabian Willmann und einem weiteren ehemaligen Schüler der Musikschule, Paolo Brenzinger, gekommen.  „Volkslieder werden von Mund zu Mund weitergegeben. So werden sie immer wieder variiert und verändern sich dabei“, so Pitz. Es sei außerdem die große Ruhe und Gelassenheit dieser Lieder gewesen, die ihn so fasziniert habe. „Und das suchen wir doch alle ein bisschen in der heutigen Zeit“, so Pitz über seine Komposition. Die Ruhe und Gelassenheit werden vor allem im ersten Satz sichtbar. Vor dem inneren Auge entstehen ganz von alleine Bilder einer hügeligen Graslandschaft, deren Gräser sich im Wind wiegen. „Friedvoll“ ist die erste Anweisung der Partitur an den Musiker, die durch gebundene Noten und dem sanften melancholischen Klang Fabian Willmanns Tenorsaxophon perfekt zum Ausdruck kommt. Schnell sind sich Pitz und Willmann einig, die Bögen nicht nur über einzelne Takte zu ziehen, sondern gleich über mehrere. Meist im Bereich piano und pianissimo unterwegs, nur einmal forte, der Ton manchmal nur ein leichtes Hauchen, wird die Verbindung des Titels des Stücks mit dem Gespielten sichtbar. Rasanter geht es dann im zweiten Satz zu. Schnelle Tonfolgen, Triller und Glissandos machen hier das Hörerlebnis aus. „cl tr“, color trill, steht an diesen Stellen in der Partitur. Bei manchem Triller werden die Klappen von Fabian Willmann regelrecht zugeschlagen. Dennoch dominieren auch hier gebundene Tonfolgen. „Die Idee mit Fabian Willmann zusammenzuarbeiten hatten wir auch, weil er sich mit neuen Spieltechniken auskennt“, betont Kourti-Papamoustou. Und der Einsatz neuer Spieltechniken kann anspruchsvoll sein: Kaum wiederzuerkennen ist der erste Satz, wenn das Staccato und die noch härtere „Slap Tongue“ im dritten Satz erklingt. Ein Sforzato folgt dem nächsten und betont noch einmal die abgehackten Tonfolgen durch abrupte Änderung der Lautstärke. Weiter könnte dieser nicht von dem im Allgemeinen mit einem Saxophon verbundene Klang entfernt sein.
(Stefanie Sigmund)

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